Allein wandern: Tourenplanung für Wege ohne Handynetz
Wie Sie eine Tour so vorbereiten, dass andere Sie finden, wenn Ihr Handy keinen Empfang mehr hat.
Auf vielen Wanderwegen bricht der Empfang schon nach der ersten Kehre ab. Wer allein unterwegs ist, hat dann kein Mittel mehr, um sich zu melden, und greift auf das zurück, was er im Tal vorbereitet hat. Dieser Text ordnet die Vorbereitung danach, was ohne Netz noch funktioniert.
Was die Schweizer Bergnotfallstatistik zeigt
Der Schweizer Alpen-Club SAC zählt die Bergnotfälle im eigenen Land jedes Jahr. 2025 retteten die Rettungsdienste in den Schweizer Bergen fast 4.000 Menschen, 11 Prozent mehr als im Durchschnitt der Jahre 2020 bis 2024. Auf das Wandern entfielen 46 Prozent der Rettungseinsätze.
Aufschlussreich ist der Anteil der Unverletzten. 38,2 Prozent der Geretteten hatten keine Verletzung, sie steckten fest oder kamen vor Erschöpfung nicht weiter. 2020 lag dieser Anteil noch bei 28,6 Prozent. Diese Zahlen stammen aus der Schweiz und lassen sich nicht auf deutsche Mittelgebirge übertragen; der Deutsche Alpenverein veröffentlicht seine Bergunfallstatistik nur alle zwei Jahre.
Die Tour planen, solange Sie noch Empfang haben
Legen Sie die Route am Vorabend fest und laden Sie die Karte in Ihrer Wanderapp offline herunter. Notieren Sie die Gehzeit und rechnen Sie eine Reserve dazu, denn im Herbst verschwindet das Tageslicht schneller, als der Wegweiser vermuten lässt. Bestimmen Sie eine Umkehrzeit und halten Sie sich daran, auch wenn der Gipfel dann ausfällt.
Prüfen Sie den Wetterbericht für die Höhenlage und nicht für den Talort. Eine Stirnlampe gehört selbst dann in den Rucksack, wenn Sie am frühen Nachmittag zurück sein wollen. Nehmen Sie außerdem eine Powerbank mit, weil Ihr Handy im Funkloch dauernd nach Netz sucht und der Akku dabei schnell leer wird.
Der Tourenzettel: wer weiß, wohin Sie gehen
Schicken Sie einer Person zu Hause Ihre Route und die geplante Rückkehrzeit. Nennen Sie außerdem den Parkplatz, an dem Ihr Auto steht, denn dort beginnt eine Suche. Vereinbaren Sie eine Uhrzeit, ab der diese Person die Rettungsleitstelle anruft, falls Sie sich nicht gemeldet haben.
Ohne diese Uhrzeit wartet Ihr Gegenüber im Zweifel bis Mitternacht und verliert Stunden, in denen die Suche bei Tageslicht hätte laufen können. Halten Sie den Zettel aktuell: Wenn Sie am Parkplatz spontan eine andere Route wählen, kostet Sie die Änderungsnachricht eine halbe Minute, solange Sie dort noch Empfang haben.
Was ohne Netz nicht funktioniert
Die Notruf-App nora der Bundesländer übermittelt Ihren Standort automatisch und erlaubt einen stillen Notruf per Text-Chat. Für beides braucht sie eine Datenverbindung. Im Funkloch bleibt die App stumm, und auch eine Standortmeldung über Bluetooth und Handy kommt dort nicht aus dem Gerät heraus.
Was ohne Netz weiterhin funktioniert, erzeugen Sie selbst: Licht und Lärm. Dazu kommt die Information, die Sie vor dem Start weitergegeben haben. Prüfen Sie an einer erhöhten Stelle, ob Ihr Telefon dort wieder Empfang findet, bevor Sie weiter in eine Schlucht absteigen.
Wenn Sie nicht mehr weiterkommen
Bleiben Sie stehen, sobald Sie den Weg verloren haben. Wer im Dämmerlicht querfeldein absteigt, gerät in steileres Gelände und verschlechtert seine Lage. Setzen Sie sich hin und ziehen Sie die warme Schicht an, bevor Sie über den nächsten Schritt entscheiden. Merken Sie sich Ihren Standort anhand fester Punkte wie einer Wegkreuzung, damit Sie diese Angabe durchgeben können, falls Sie später wieder Empfang bekommen.
Rufen kostet Kraft und trägt bei Wind kaum weit. Ein akustisches Signal, das Sie in regelmäßigen Abständen wiederholen und von einer Pause unterbrechen, ist im Gebirge das übliche Muster; Rettungsmannschaften erkennen daran, dass jemand Hilfe braucht. Eine Pfeife oder ein Taschenalarm übernimmt diese Aufgabe, ohne dass Ihre Stimme heiser wird. Licht wirkt in der Dämmerung über größere Entfernungen als Ihre Jacke, deshalb schwenken Sie die Stirnlampe in Richtung Tal, sobald Sie Suchende hören.
Was der Schrillalarm auf Tour leistet und wo seine Grenzen liegen
Der HINFC Schrillalarm mit GPS wiegt 38 Gramm und hängt am Karabiner an der Schlaufe des Rucksackgurts. Sie ziehen den Zugstift am oberen Ring heraus, dann läuft eine Sirene mit 130 dB an, gemessen in 10 cm Abstand, dazu blitzt ein weißes LED-Licht. Der Alarm läuft bis zu 40 Minuten am Stück, im Standby hält der Akku bis zu 30 Tage. Über eine Taste an der Seite schalten Sie ein LED-Dauerlicht ein und haben damit eine zweite Lichtquelle, falls die Stirnlampe ausfällt.
Zwei Grenzen sollten Sie kennen. Ohne gekoppeltes Handy mit Mobilfunk oder Internet verschickt die HINFC-App keine Standortmeldung an Ihre bis zu fünf Kontakte, während Sirene und Licht unabhängig davon arbeiten. Das Gehäuse ist nach IP54 spritzwassergeschützt und damit für einen Schauer gebaut, nicht für stundenlangen Regen ohne Schutz. Das Gerät kostet 49 € inklusive Mehrwertsteuer bei kostenlosem Versand innerhalb Deutschlands, Sie zahlen bei Lieferung an den Zusteller und können es innerhalb von 30 Tagen kostenlos zurückschicken.
Vor der Tour: eine kurze Liste
- Route und Rückkehrzeit an eine Person zu Hause schicken, mit der Uhrzeit für den Anruf bei der Leitstelle.
- Karte offline laden und den Akku des Handys vor dem Start voll aufladen.
- Stirnlampe und Rettungsdecke einpacken, auch bei einer Halbtagestour.
- Signalquelle am Gurt tragen statt unten im Packsack.
- Umkehrzeit festlegen, bevor Sie den Parkplatz verlassen.
Quellen
- SAC-Bergnotfallstatistik 2025 (Schweizer Zahlen), bergundsteigen.com
- Deutscher Alpenverein, Bergunfallstatistik
- nora Notruf-App der Bundesländer