Unterwegs ab 65: Hilfe rufen, wenn niemand in der Nähe ist
Was ein Taschenalarm beim Spaziergang leistet und warum er einen Hausnotruf mit Rufzentrale nicht ersetzt.
Der Gang zum Supermarkt und die Runde um den Teich gehören für viele Menschen über 65 zum Tag. Schwierig wird es, wenn auf halber Strecke etwas passiert und der nächste Passant zweihundert Meter entfernt ist. Für diesen Fall lohnt sich eine Überlegung, die zwischen Wohnung und Weg unterscheidet.
Wie viele ältere Menschen allein leben
Das Statistische Bundesamt zählte für 2025 in Deutschland 17,3 Millionen Menschen, die allein leben. Ab 65 Jahren wohnt mehr als ein Drittel allein, das sind 34,4 Prozent. Ab 85 Jahren steigt der Anteil auf 55,8 Prozent.
Allein zu wohnen bedeutet nicht, ohne Kontakte zu sein. Es bedeutet aber, dass niemand automatisch merkt, wenn Sie abends nicht nach Hause kommen. Diese Lücke lässt sich mit Absprachen schließen, und dafür braucht es kein Gerät.
Stürze gehören zu den häufigen Zwischenfällen im Alter
Das Portal gesund.bund.de nennt eine Größenordnung: Etwa 30 von 100 zu Hause lebenden Menschen über 65 stürzen einmal pro Jahr. Bei 5 bis 10 von 100 Stürzen entstehen Verletzungen wie Knochenbrüche oder Platzwunden.
Die meisten dieser Stürze passieren im Alltag und nicht bei besonderen Unternehmungen. Der abgesenkte Bordstein vor der Apotheke gehört dazu, ebenso das nasse Laub auf dem Uferweg. Wer draußen stürzt, liegt oft an einer Stelle, die von der Straße aus niemand einsieht.
Ein Hausnotruf und ein Taschenalarm lösen verschiedene Aufgaben
Ein Hausnotruf besteht aus einem Gerät in der Wohnung und einem Funkfinger am Handgelenk. Auf Knopfdruck baut er eine Sprechverbindung zu einer Zentrale auf, die rund um die Uhr besetzt ist und im nächsten Schritt den Rettungsdienst oder einen Hintergrunddienst schickt. Dafür zahlen Sie eine monatliche Gebühr; bei anerkanntem Pflegegrad beteiligt sich die Pflegekasse unter bestimmten Voraussetzungen daran, die Einzelheiten klärt Ihre Kasse.
Ein Taschenalarm arbeitet anders. Er hat keine Zentrale und kostet nichts im Monat, dafür funktioniert er überall dort, wo Sie unterwegs sind. Er erkennt keinen Sturz von selbst, sondern wartet darauf, dass Sie ihn auslösen. Wer zu Hause ein hohes Sturzrisiko hat, ist mit einem Hausnotruf besser bedient, und beides schließt sich nicht aus.
Auf dem Spazierweg auf sich aufmerksam machen
Ein Telefon zu bedienen, während Sie auf dem Boden liegen, gelingt nicht immer. Der Bildschirm verlangt einen Entsperrcode, und die Brille liegt womöglich einen Meter weiter im Laub. Ein Zugstift verlangt dagegen nur eine Bewegung, und die gelingt auch mit Handschuhen.
Lärm wirkt in solchen Lagen über eine gewisse Entfernung. Eine Sirene erreicht Menschen, die hinter der Hecke im Garten arbeiten oder auf dem Parkplatz aussteigen, ohne dass Sie rufen müssen. Ein Licht hilft zusätzlich, sobald es dämmert, weil Suchende Sie dann früher erkennen.
Was das Gerät leistet und wo seine Grenzen liegen
Der HINFC Schrillalarm mit GPS wiegt 38 Gramm und hängt am Karabiner an der Jacke oder am Griff der Einkaufstasche. Sie ziehen den Zugstift am oberen Ring heraus, dann läuft eine Sirene mit 130 dB an, gemessen in 10 cm Abstand, und ein weißes LED-Blitzlicht setzt ein. Über das gekoppelte Handy schickt die kostenlose HINFC-App einen Kartenlink an bis zu fünf hinterlegte Kontakte, sodass Ihre Familie sieht, wo Sie sind. Stecken Sie den Stift wieder ein, endet der Ton.
Das Gerät kostet 49 € inklusive Mehrwertsteuer bei kostenlosem Versand innerhalb Deutschlands. Sie zahlen bei Lieferung an den Zusteller, bar oder mit Karte, und können es innerhalb von 30 Tagen kostenlos zurückschicken. Zur ehrlichen Beschreibung gehören die Grenzen. Der Alarm erkennt keinen Sturz von selbst und ersetzt keinen Hausnotruf mit Rufzentrale. Ohne gekoppeltes Handy mit Internet unterbleibt zudem die Standortmeldung, während Sirene und Licht davon unabhängig arbeiten.
Die Familie als Notfallkontakte
Tragen Sie zwei bis fünf Personen als Kontakte ein und sprechen Sie vorher mit ihnen. Mindestens eine davon sollte in der Nähe wohnen, weil die Tochter in Hamburg zwar telefonieren, aber nicht innerhalb einer halben Stunde am Uferweg stehen kann. Der Nachbar aus dem zweiten Stock ist in dieser Rolle oft der schnellste Kontakt.
Sagen Sie diesen Personen, welche Wege Sie regelmäßig gehen. Ein Kartenlink zeigt einen Punkt, die Ortskenntnis macht daraus einen Weg mit Zugängen und Schranken. Zusätzlich gehört ein Zettel mit zwei Telefonnummern in die Geldbörse, denn Rettungskräfte sehen dort nach.
Laden und Testen als feste Gewohnheit
Sie laden den Akku über ein USB-C-Kabel, im Standby hält er bis zu 30 Tage. Koppeln Sie das Laden an einen Termin, den Sie ohnehin haben, etwa den ersten Sonntag im Monat. Ein Gerät im Schrank mit leerem Akku nützt Ihnen auf dem Weg zur Apotheke nichts.
Zum selben Termin gehört ein kurzer Test. Gehen Sie dafür in den Hof, halten Sie das Gerät vom Ohr weg und lassen Sie den Ton zwei Sekunden laufen. Fragen Sie danach bei Ihren Kontakten nach, ob die Nachricht angekommen ist und ob sich der Kartenlink öffnen ließ.
Quellen
- Statistisches Bundesamt, Pressemitteilung N041 vom 24.06.2026, Alleinlebende in Deutschland
- gesund.bund.de, Stürze bei älteren Menschen